Evangelische Ski-Ranch Gemeinde e.V.

Der Adventskranz


Grün und rund ist er. Mit vier dicken roten Kerzen. Jedes Jahr aufs Neue begegnet er uns, er ist aus der Adventszeit nicht wegzudenken. Was würde der Adventskranz uns wohl erzählen, wenn er sprechen könnte? Würde er uns stolz berichten, dass er auf der ganzen Welt bekannt ist, obwohl er erst 150 Jahre alt ist? Würde er davon erzählen, wie seine Karriere begann? Würde er darüber klagen, dass er früher mehr Beachtung bekam und gerade Kinder sich über ihn freuen? Würde er jammern, dass das Licht seiner Kerzen sich verliert im Lichtermeer der heutigen Weihnachtsbeleuchtung in allen Orten? Würde er uns fragen, ob wir seine Bedeutung wüssten? – Und wüssten wir sie? Sicher hat sich der Adventskranz gefreut, als sich vor 150 Jahren 14 Kinder um ihn drängten und ihn bestaunten. Er war nur ein schlichter Holzkranz, aber er hatte statt der vier 24 Kerzen. Vier dicke rote und zwanzig kleine weiße Kerzen. Und er brachte ein warmes Licht in das schlichte Heim, indem die Kinder lebten. Das Haus nannte sich »Raues Haus« und war ein altes Bauernhaus, in dem Johann Hinrich Wichern, Erzieher und Pfarrer mit den Kindern lebte. Davor hatten die 14 Jungen im Alter von fünf bis 18 Jahren auf der Straße gelebt. Mitte des   19. Jahrhunderts war die Zeit der Industrialisierung. Technische Fortschritte machten die Produktion vieler Artikel in hoher Stückzahl möglich und gleichzeitig mit ihren günstigen Herstellungskosten den Handwerksberufen Konkurrenz. Viele der Handwerker versuchten nun in den Fabriken Arbeit zu finden und so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Arbeit war hart und ungesund. Die Menschen arbeiteten zwölf Stunden am Tag und bekamen nur wenig Lohn. Die Familien wohnten auf engem Raum in Mietskasernen, Krankheiten verbreiten sich. Viele Kinder mussten schon mitarbeiten. Andere waren früh auf sich allein gestellt.








Sie wuchsen mehr oder weniger auf der Straße auf und waren oft schutzlos der Gewalt ausgesetzt. Wichern, der selbst gut wusste, was es bedeutete arm zu sein, wollte etwas für sie tun. So gründete er das »Rauhe Haus«. Wichern war der Glaube an Gott sehr wichtig, deshalb wollte er auch die Kinder mit dem christlichen Glauben vertraut machen. Im »Rauhen Haus« lernten die Kinder anhand der Bibel Schreiben und Lesen. An manchen Tagen, besonders am Sonntag, versammelten sie sich zu gemeinsamen Andachten und Gottesdiensten. Natürlich feierte Wichern mit den Jungen auch Advent. Da den Kindern, damals wie heute, die Zeit bis Weihnachten lang wurde, hängte Wichern zu Beginn der Adventszeit diesen großen Holzreifen mit den Kerzen auf. Mit diesem Kranz gestaltete Wichern die Zeit bis Weihnachten und erzählte den Kindern von der Weihnachtsgeschichte und der Liebe Gottes. Die Liebe Gottes sollte mit den roten Kerzen auch sichtbar sein. Denn rot ist die Farbe der Liebe und sollte die Kinder an die Liebe Gottes erinnern. An jedem Tag wurde eine neue Kerze angezündet. An den vier Sonntagen wurde je eine der roten Kerzen angezündet. Tag für Tag wurde es heller. So wie die Kerzen Licht bringen, brachte Jesus mit seiner Geburt Licht in die Welt. Auch das wollte Wichern mit seinem Adventskranz zeigen. »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Dunkelheit umherirren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt.« (Johannes 8,12) So hat es Jesus gesagt. Auch die Kranzform wählte Wichern nicht zufällig. Kränze galten schon in frühen Zeiten und in vielen Kulturen als Zeichen des Sieges. Damit soll der Kranz an Jesus erinnern, der an Ostern durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat. Und weil der Adventskranz den Kindern so gut gefiel, wurde er Jahr für Jahr aufs Neue aufgehängt. In den darauffolgenden Jahren veränderte sich der Holzreifen. Der Holzreifen wurde mit Tannengrün geschmückt und mit roten Schleifenbändern aufgehängt. Tannengrün symbolisiert die Hoffnung und steht zugleich für das Leben. 

So sind die immergrünen Zweige Zeichen der Hoffnung auf das ewige Leben, an das wir Christinnen und Christen glauben. Andere haben diesen Brauch bald aufgenommen und weitergeführt. Darüber freute sich sicher der Adventskranz, dass er bald in ganz Deutschland und vielen anderen Ländern bekannt und beliebt war. Auch wenn aus Platzgründen der Kranz bald nur noch die vier großen Kerzen hatten. Heute hat sich der Adventskranz noch weiterentwickelt. Es gibt ihn in mit Kerzen in allen Farben, verschieden dekoriert und manchmal ist es auch kein Kranz mehr, sondern eine Spirale, ein Teller oder ein Rechteck. Was der Adventskranz wohl dazu sagen würde? Wäre er traurig, weil er Angst hätte, dass die Freude über die bevorstehende Ankunft Jesu nicht mehr so deutlich zum Ausdruck käme? Würde er sich freuen, dass er heute so prachtvoll geschmückt ist und deshalb gerne angesehen wird? Was verbindest du mit dem Adventskranz und mit Advent?


Wir wünschen eine besinnliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Die Ski-Ranch Gemeinde